Die Friedensbewegung war müde

Am Wochenende vor der Entscheidung über die Aufstockung der deutschen Truppen in Afghanistan um weitere 850 auf 5350 Soldaten hat die Friedensbewegung zur großen Demonstration mit dem Aufruf „Kein Soldat mehr“ nach Berlin aufgerufen. Einige von uns machten sich auf den Weg, um ihren Beitrag dazu zu leisten, dass von dieser Demo ein Signal an die Bundestagsabgeordneten ausgeht.

Die Überzeugungskraft der nur etwa 2000 TeilnehmerInnen hielt sich in Grenzen und der Bundestag beschloss wieder mit großer Zahl gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung.

Da nur Realismus weiter hilft, hier einige Ideen, warum wir so wenige waren.

Zunächst mal war es bitter kalt in den Wochen vorher. Am Demotag ging es, aber die Gehwege und Plätze lagen noch unter einer dicken Eisschicht, die sich gerade erst auflöste. Das Bündnis war nicht breit genug aufgestellt. Wenn es versäumt wird, die kriegskritischen Teile von GRÜNEN, SPD und Gewerkschaften aktiv mit einzubinden, dann ist die Zahl der TeilnehmerInnen natürlich noch geringer. Dann waren am Wochenende vorher viele Aktive in Dresden gewesen und hatten den Neo-Nazis gezeigt, dass sie diese Stadt und den Bombardierungsgedenktag nicht für ihre Zwecke missbrauchen können. Es hätte aber sicher auch geholfen , wenn wenigstens in Berlin auffällig für diese Demonstration geworben worden wäre. Einige Leute aus dem Plenumsumfeld, die es nach Berlin verschlagen hat, erfuhren erst durch unsere Email von dieser Demo. Ein attraktives Kulturprogramm, mit dem einige Leute, die zunächst wegen der KünstlerInnen kommen, gab es leider auch nicht und immer mehr Menschen geben sich damit zufrieden online ihre Meinung kund zu tun. Es hat sich auch ein Ohnmachtsgefühl breit gemacht. Spätestens seit der großen Koalition werden die Einsätze in Afghanistan gegen die Meinung der Mehrheit der Bevölkerung von Bundestag mit deutlicher Mehrheit verlängert oder ausgeweitet. Bei der Werbung für diese Demo in Iserlohn am Infostand schallte uns öfter ein „Das lohnt nicht, das machen die doch trotzdem.“ entgegen. Aber auch diese kleine Demonstration war wichtig.

Der IPPNW führte ein „Die-in“ am Brandenburger Tor durch.

Aus ganz vielen Städten ist das „NEIN“ der Mehrheit der Bevölkerung symbolisch beim Bundestag verdeutlicht worden. Die Reden waren auch für Menschen, die schon viel wissen, sehr informativ. Christine Hofmann von der katholischen Friedensbewegung Pax Christi sprach es klar aus: „Mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken, bedeutet keine Exit-Strategie, sondern faktisch mehr Kämpfe. Jeder weitere tote Zivilist provoziere die Ablehnung der afghanischen Bevölkerung und spiele somit den Taliban in die Hände.“ Peter Strutynski, Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag schimpfte: "Was wirklich blüht in Afghanistan sind der Mohn, Korruption und die Prostitution."

Und der Theologe Eugen Drevermann rief ins Gedächtnis: „Wir jagen nicht die Terroristen, wir sind selber die Terroristen in Afghanistan. Und deshalb fordern wir unsere eigenen Soldaten auf [...] den Befehl zum Töten zu verweigern [...] und zu ersetzen durch die Treue zu einer Menschlichkeit, die jeder fühlen kann.“

Päule