Anti-Atom-Demo Berlin, 05. September 2009

Atomkraft ist tödlich. Atomkraft ist die Risikotechnologie schlechthin. Und aus irgendwelchen absurd konzernfreundlichen Gründen ist Atomkraft immer noch da.

Dagegen lohnt es sich, aufzustehen – sogar um vier Uhr morgens. Denn um fünf rollt er in Hagen, der Sonderzug nach Berlin. Und mit ihm fünf Mitwirkende des FriedensPlenums, die es sich nicht entgehen lassen wollen, unter dem Motto
„Mal richtig abschalten!“
ihre Stimme gegen die strahlende Bedrohung zu erheben.
Aufgerufen zur Demo hat die Initiative “ausgestrahlt”, und im Zug tummeln sich Menschen aller Altersklassen: von jenen, die vor Jahrzehnten noch mit aller Kraft den AKW-Bau zu stoppen versuchten bis zu denen, die vor allem in Zukunft trotz aller Mühen Berge des radioaktiven Erbes am Hals haben werden.

Zugegebenermaßen ist die Stimmung zunächst etwas schläfrig, aber mit dem Tageslicht erwachen auch die Lebensgeister. Es herrscht fröhliche Stimmung;
Infomaterial wird mit vollen Händen verteilt und alle Waggons mit den klassischen Anti-Atom-Fahnen dekoriert. In einem Wagen können sich Initiativen gegenseitig vorstellen, in einem anderen gibt es leckeres (auch veganes) Essen, sodass wir mittags motiviert und wohlgesättigt den Berliner Hauptbahnhof erreichen. Auf dem Vorplatz leuchtet uns ein gigantisches Fahnenmeer entgegen – die Sonderzüge aus anderen Richtungen und die Leute aus Berlin und Umgebung sind bereits eingetroffen. In dem Gewimmel treffen wir tatsächlich zwei weitere Plenumsfreunde aus Iserlohn, die seit gestern mit ihren Fahrrädern den großangekündigten Trecker-Treck begleiten.
Und schon setzen die Massen sich in Bewegung: rund zwei Stunden geht es kreuz und quer durchs Regierungsviertel. Grün bestückt hat man lediglich die Zentralen der FDP und des Energieriesen EnBW, ansonsten ist die Polizeipräsenz eher gering.
Unbehelligt kriegen also sämtliche FDP- und CDU-Wahlplakate am Wegrand ihre Sticker ab und strahlen schon bald vor grinsender Anti-Atom-Sonnen. Der Zug endet auf der Straße zum Brandenburger Tor, wo wir die aufgereihte buntgeschmückte Treckerkarawane bewundern, die schon vor einer Woche vom Wendland hierher aufgebrochen ist.
Von einer Bühne aus schallen Livemusik und die Reden von Atomkraftgegnern aus den verschiedensten Bereichen über den Platz.
Wir begegnen dem dreiäugigen „Krümelmonster“, der Straßensambagruppe „Xamba“ und vielen weiteren abenteuerlichen Gestalten, die sich kreativ im Protest engagieren.

Um sieben geht’s zurück nach Westen, und um ein Uhr nachts sind wir wieder in Iserlohn angekommen.

Wir erfahren erst am nächsten Tag, dass es wohl etwa 50.000 Menschen waren, die am 5.9. gemeinsam mit uns in Berlin auf der Straße gewesen sind. Der Termin kurz vor den Bundestagswahlen am 27. September war natürlich nicht zufällig so gelegt - Einflussnahme durchaus angedacht. Was daraus geworden ist, zeigen ja leider die Ergebnisse.

Fragt sich also:

Wie viele Castorblockaden müssen noch durchgeführt, wie viele Riesendemos organisiert, wie viele Menschen unter dem ständigen Risiko einen tödlichen Super-GAUs belassen werden, bis in der Politik in Deutschland und weltweit endlich mal jemand Verantwortung übernimmt und endgültig richtig abschaltet?!

Sophia

Weitere Bilder von der Anti-Atom-Demo.