Atomland NRW

Gorleben - Skandal ohne Ende

Nach Sichtung und Offenlegung der Gorleben-Akten durch die Umweltschutzorganisation Greenpeace sollte jedem klar sein, dass hochradioaktiver Müll dort nicht unter Tage gehört. Erst jetzt wurde bekannt, dass es in Gorleben, ähnlich wie im absaufenden „Endlager“ Asse II, zu Laugeneinflüssen kam. Grund ist ein fossiles Laugenreservoir von bis zu einer Million Kubikmetern im Inneren des Gorlebener Salzstocks - Reste des Zechsteinmeeres, die das Märchen vom „trockenen“ Standort ad absurdum führen.
Reaktion von CDU und FDP: Gorleben komme immer noch als Standort für ein atomares Endlager in Frage. Es werden sogar neue Fakten geschaffen, wird doch in Gorleben aktuell eine so genannte Konditionierungsanlage (quasi eine Umpackstation) für den angelieferten Atommüll gebaut, um diesen dann ortsnah versenken zu können.

Obwohl es in NRW keine laufenden AKWs mehr gibt, ist es ein Zentrum der Atomenergie und von den Gefahren massiv betroffen. Ein Überblick:

- Ahaus: Das NRW-Atomklo. Hochradioaktiver Atommüll lagert die Firma GNS hier für ungewisse Zeit in Fabrikhallen. Für Ahaus sind hunderte neue Atommülltransporte genehmigt, im Durchschnitt zwei mal pro Woche. Ab 2011 sollen allein über 150 Castoren mit hochradioaktivem Atommüll aus dem Forschungszentrum Jülich durch das dicht besiedelte Rheinland nach Ahaus rollen. Mehr: www.kein-castor-nach-ahaus.de, www.bi-ahaus.de

- Duisburg: Im Duisburger Stadtteil Wanheim baut die Firma GNS ihre vorhandene Atommüllkonditionierungsanlage derzeit massiv aus. Der Behälterwechsel findet direkt neben einem Wohngebiet statt. Nun ist auch eine "heiße Zelle" geplant, in der Atommüllbehälter unbekannten Inhalts durch Roboter geöffnet werden können. Die ständigen Atommülltransporte verlaufen ebenfalls durch Wohngebiete. Mehr: www.duisburg-atomfrei.de

- Gronau: Die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage wird trotz der Verstrahlung eines Arbeiters im Januar weiter ausgebaut. Der Betreiber Urenco plant ab 2011 ein riesiges „Zwischen“lager. Bisher hatte man den bei der Produktion anfallenden Atommüll bequem über eine russische Firma nach Sibirien verbracht, wo die Atommüllbehälter unter freien Himmel lagerten. Nach Protesten in Deutschland und Russland wurde der Atommüllexport gestoppt - nun bleibt Gronau auf dem Müll sitzen. Mehr: www.aku-gronau.de

- Jülich: Das Forschungs-AKW wurde 1988 abgeschaltet. Beim Abbau wurde öffentlich, dass der Hochtemperaturreaktor jahrelang am Limit gefahren wurde. Zudem verhakten sich 198 Brennelemente im Reaktorkern und konnten nicht mehr entfernt werden. Aufgrund der hohen Strahlung muss der Reaktor komplett mit Beton ausgegossen und zusätzlich mit einem 60 Meter hohen Sarkophag ummantelt werden. Allein diese Maßnahmen kosten eine halbe Milliarde Euro, Folgekosten und die „Entsorgung“ des beim Betrieb angefallen Atommülls nicht mitgerechnet.

- Hamm: Der Hochtemperaturreaktor in Hamm (Baukosten: 4 Milliarden Mark) wurde nach 15 Jahren Bauzeit und 4 Jahren Pannenbetrieb 1989 abgeschaltet. Seitdem zahlen Bund und Land NRW Jahr für Jahr über 5 Millionen allein für den Stilllegungsbetrieb, der geplante Abriss ab 2027 wird weitere Milliarden Steuermittel vernichten. Die hochradioaktiven Brennelemente wurden bereits in 305 Castor-Behältern nach Ahaus transportiert. Mehr: www.reaktorpleite.de

- Würgassen: Der Rückbau des 1994 wegen Schäden am Reaktorkern abgeschalteten AKWs soll bis 2014 abgeschlossen sein. Ab 2013 soll der Müll im niedersächsischen Schacht Konrad eingelagert werden, falls das nicht möglich ist, bleibt Ahaus im Gespräch. Nur wenige Kilometer direkt hinter der NRW-Landesgrenze sollen die AKWs Lingen (RWE) und Grohnde (Eon) fast unbegrenzt weiterlaufen. Die niederländische Urananreicherungsanlage Almelo der Firma Urenco wird drastisch ausgebaut. Almelo soll dann bis zu 50 AKW’s mit Brennmaterial versorgen. Die Erweiterung dient allein dem Export, denn im Nachbarland befindet sich gerade Mal ein AKW. RWE und Eon halten 76% der Anteile an der GNS (Ahaus, Duisburg) und 33% an Urenco (Gronau, Almelo). Die in Essen und Düsseldorf ansässigen Konzerne profitieren damit vom gesamten Prozess von der Brennelemente-Herstellung über den AKW-Betrieb bis zur Mülllagerung.