Dass Friedensbewegung auch gewinnen kann, zeigt sich am Beispiel der seit 1992 tätigen Bürgerinitiative FREIeHEIDe in Schweinrich.
Sie kämpft(e) gegen die militärische Nutzung eines ehemaligen Truppenübungsplatz der sowjetischen Armee 100 km nordwestlich von Berlin durch die Bundeswehr. Das Gelände hat eine Größe von 144 km² (ca. 1/3 der Fläche von Köln) und liegt in der Kyritz-Ruppiner Heide in Nordbrandenburg.
Es war beabsichtigt, dort ein „Bombodrom“, also einen Bombenabwurfplatz, einzurichten. Davon wären auch Teile Mecklenburgs wegen der Einflugschneisen betroffen gewesen. Der Tourismus und die Natur in der Region wären durch Lärm- und Schadstoff-Emissionen sowie die Detonationen massiv beeinträchtigt worden. Die Initiative FREIeHEIDe ist im Laufe der Jahre ein Symbol für kreativen, friedlichen Protest geworden. Seit Jahren fand dort eine der größten Ostermarschaktionen in Deutschland statt. Bei 112 Protestveranstaltungen haben mehr als 350.000 Teilnehmer aus Nah und Fern bekräftigt, dass ein "Bombodrom" verhindert werden muss und Kyritz-Ruppiner Heide friedlich genutzt werden soll. 2002 konnte der Landtag von Mecklenburg für einen Beschluss gegen die Pläne der Bundeswehr überzeugt werden. 2004 konnten die Landesregierung von Brandenburg und eine Mehrheit des Landtages davon überzeugt werden, dass das „Bombodrom“ Nachteile für dieses Bundesland bringt. Trotz dieser Erfolge mussten die Proteste weitergeführt werden, da sich die Verteidigungsminister Scharping und Struck den guten Argumenten aus der Region verweigerten.
Bewegung kam in die Sache, als erreicht werden konnte, dass die Nutzung zum Bombenabwurf gerichtlich verboten wurde. Bevor der Weg durch die Instanzen beschritten wurde, hat im Herbst 2009 Verteidigungsminister Jung die Pläne für den Bombenabwurfplatz aufgegeben. Es gab aber weiter Überlegungen zur militärischen Nutzung als Artillerieübungsplatz oder für andere Landstreitkräfte. Es blieb Minister zu Guttenberg überlassen, im April 2010 die endgültige Aufgabe der militärischen Nutzung des Geländes zu verkünden.
Was lange währte, wurde endlich gut. Die Heide wird FREI! Der jahrelange Protest hat sich gelohnt.
Jetzt wird es zwar noch einige Jahre dauern, bis die Altlasten, also die Munitionsreste, eingesammelt und die möglichen Blindgänger entschärft worden sind. Es ist auch mit Streit um die Übernahme der Kosten dafür zwischen der Bundeswehrverwaltung und dem Land Brandenburg zu rechnen, aber das ist für die Initiativler, die Anwohner und die Pflanzen und Tiere in der Region nicht so wichtig. Sie werden künftig vom Militär in Ruhe gelassen.
Päule