Der Kappenträger erzählt...
Jetzt ist es schon wieder fast ein Jahr her, dass ich die Kappe für das Fest aufgesetzt habe und nun habe ich auch noch den Rückblick am Hals.
Irgendwann im Herbst 2008 begannen mit dem Plenumswochenende die ernsthaften Vorbereitungen für das 19. Fest. Die schwerste Frage, ob das Fest überhaupt wieder stattfinden sollte, war irgendwie mit „das können wir doch nicht sterben lassen, es ist zwar immer wieder extrem anstrengend, aber eigentlich war das letzte doch ganz schön“ beantwortet worden. Nun stand die wichtigste Frage an: „Wer soll es denn in diesem Jahr anmelden und damit den Hauptverantwortung übernehmen?“
Wie üblich hat sich Niemand um diese Aufgabe gerissen. Da ich unbedingt wollte, dass es ein weiteres Festival mit viel Reggae und Gebläse gibt, und ich in dem Jahr volljährig werden würde, habe ich leichtfertigerweise mal erwähnt, dass ich das ja übernehmen könnte. Das war ein Satz zuviel. Voller Begeisterung fanden alle Anwesenden, dass es dem Fest gut tut, wenn jemand, der richtig jung ist, die Kappe aufsetzt, dass ja Vieles schon eingespielt ist und es eine To-do-Liste gibt, die ich ja nur abzuarbeiten bräuchte.
Weil ich es sinnvoller fand die restliche Zeit des Plenumswochenendes für die konkrete Vorbereitungen zu nutzen als mit der Frage nach dem Veranstalter zu verschwenden, habe ich mich bereit erklärt, das zu machen. Zwei Monate später hab ich dann quasi als Geburtstagsgeschenk das Fest bei der Stadt Iserlohn angemeldet. Mit einer langen Liste vorläufig Verantwortlicher für bestimmte Aufgaben ausgestattet, konnte ja eigentlich nicht viel schief gehen. Dass man Leute, die im Prinzip etwas zugesagt haben, immer wieder an die Zusagen erinnern muss, weil die das ja auch nebenbei machen, hatte ich unterschätzt.
Mit der Bandauswahl war ich ja erstmal sehr zufrieden. Dann kamen mehrere Absagen gerade auch von meinen Favoriten und ich war etwas enttäuscht. Die Zeitung wurde auch wieder erst kurz vor knapp fertig, ist dafür aber sehr schön geworden.
Wie früh man Kühlwagen, Bier, Getränke, Theken, Bänke usw. hätte bestellen müssen, um nicht massiv in Stress zu geraten, habe ich schmerzlich erfahren.
Die Sanis warten auch nicht darauf, bei uns auch noch helfen zu dürfen. Gut, dass ich nicht auch noch die vielen Telefonate zur Aktivierung der freiwilligen Helferinnen und Helfer führen musste.
Bei der Mahnmalveranstaltung am Vorabend des Festes informierte uns Matthias Wagner über „Die Polizei als Verfolgungs- und Kriegsbehörde der Nationalsozialisten“. Die ersten Materialien trudelten früher als abgesprochen ein und wir mussten eine Nachtwache organisieren.
Nun war es Freitag, ein Tag an dem mich nach dem Aufstehen nicht die Schule, sondern die Verantwortung für ein Fest mit 2000 Besucher erwarte. Als ich am Festplatz ankam war ich nicht der Erste und wurde von einer Menge Arbeit und einigen hochmotivierten Helfern erwartet, die wussten, was zu tun war, ohne dass ich laufend gefragt wurde.
Zur Eröffnung gab es den einzigen Regenschauer des Tages und zum Schluss des Sketches, trotz der Wirtschaftskrise, in der Bänker unter Mithilfe der Politik die Leute bis aufs Letzte Hemd ausziehen, trotzdem Freibier.
Auch wenn Cometh of Indra keine heitere Musik spielen, so schafften sie, dass das Wetter heiterer wurde. Die Detectors standen erst im Stau und dann einem hinten drauf.
Schade für die Neumünsteraner. Es blieb auch viel Platz für Gespräche. BUDDY und EURO füllten spontan akustisch die Bühne und die Wiese davor.
EinZ litten an den Tücken moderner Computertechnik, blieben dann auch ruhiger und La Confianza räumten ab.
Das Programm am Samstag begann für die kleinen Besucher des Festes schon um 14:30 Uhr. Zwar nicht mit einer Hüpfburg, da diese leider mit einem großen Loch geliefert wurde, dafür aber mit einer sehr gut besuchten Zaubershow von Clown Rasmus. Der Festplatz bot eine Vielzahl verschiedener Stände und besonders einen großen Greenpeace-Stand in Form einer Klinik zum Thema Klimaschutz.
Vera Hänel forderte zu aktivem Handeln zur Verhinderung der Klimakathastrophe auf.
Bei Sonne merkt man, dass die neue Treppe völlig ungünstig zur Bühne gebaut worden ist und die Leute dort dadurch weniger mit dem Festival zu tun haben. Bühne umstellen ist aus Schallschutzzgründen nicht mal eben möglich, müssen wir aber überlegen. Einige kurze Regenschauern schreckten Niemanden davon ab, sich mit der schrägen Band Jaques She Rock und dem Irish Folk von Velvet einen schönen Tag zu machen.
Volxtanz belohnte das Publikum unter anderem mit einer akustischen Darbietung vor der Bühne, und Bradley's H ließ den Abend mit rhythmischen Reggae- und Ska-Stücken mit Gebläse ausklingen.
Für die Helfer aber, fängt der Abend wie gewohnt mit den letzten Tönen erst richtig an. Aufräumen, alles für die Nacht herrichten und sich einen groben Überblick über das Leergut verschaffen, damit die zahlreicher gewordenen externen Flaschensammler nicht zu viel Geld in Glas vom Platz tragen können, haben höchste Priorität. Die Zeiten sind härter geworden. Schön ist das nicht, wenn jemand ein Messer zückt, weil er nicht einsehen mag, dass das Leergut auf dem Platz nicht ihm gehört.
Der Sonntag war wetter- und besuchertechnisch der beste Tag des 19. Friedensfestivals. Ein Sketch über Discounter hat die Leute angeregt über ihr Konsumverhalten nachzudenken. Aber auch musikalisch war es ein sehr gelungener Tag:
Feinste Roots und Raggae Rhythmen von Sane Ground, kraftvolle Gesangsarrangements von den zwei Frontfrauen der Dortmunder Band Newphoria, statt der verhinderten Band Kassette wundervolle Klänge der spontan eingesprungenen Natural Mystic Band, und zu guter Letzt der französische Topact Ma Valise, der im besten Sinne international das Publikum anzog und sogar Besucher begeisterte, die sonst nur im Henkelmann und bei Kulturangeboten an der Alexanderhöhe zu finden sind.
Mein Fazit
Ein sehr gelungenes Fest, welches ohne die takräftige Unterstützung der vielen Helfer nicht im Geringsten realisierbar gewesen wäre.
An dieser Stelle möchte ich mich nochmal herzlich bei allen Beteiligten bedanken, und alle, die sich nicht angesprochen fühlen, ermutigen, doch auch mal zu helfen. Das wird bestimmt eine schöne Erfahrung.
Ich wünsche euch allen ein mindestens genauso gutes 20-stes Festival.
lg
Robin A.